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  • sigizitzart

Zuhause sein ist relativ.

Aktualisiert: 17. Feb. 2021


In diesem knackigen Artikel geht es um das Thema zuhause sein. Eine Frage die uns alle gerade wahrscheinlich beschäftigt. Sei es, weil der Lockdown dazu anhält, die meiste Zeit zuhause zu verbringen. Oder sei es, weil man ein neues Zuhause sucht. Aber was braucht man eigentlich, um sich zuhause zu fühlen? Was ist das, dieser Ort, den wir Zuhause nennen? Diese Frage hat mich in der letzten Zeit beschäftigt.

Mit zuhause fühlen meine ich nicht das Wort Heimat, was ich hier mal Ursprungsland nenne. Heimat ist für mich nicht veränderbar, sondern an einen Ort fest gebunden. Zuhause sein kann man hingegen auch auf Zeit.

Wusstest du übrigens, dass Heimat ein sehr deutsches Wort ist und es dafür kaum Äquivalente in anderen Sprachen gibt?

Seit einem guten Monat bin ich nun in Japan und bin seither in dem Prozess, diesen Ort als mein Zuhause anzunehmen. Zuhause, das bedeutet für mich Vertrautheit und sich pudelwohl fühlen. Es bedeutet für mich, es sich schön zu machen.

Dass ich mich zuhause fühle, merke ich immer daran, dass ich mich darauf freue, zurückzukommen. Zum Beispiel: sollte ich in den nächsten Monaten Deutschland besuchen können und danach zurückkommen nach Japan, dann könnte es sein, dass sich dieses Gefühl einstellt: ich bin wieder zuhause.

Warum ich das schreibe?

  • als Inspiration für dich, deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und für dein eigenes Wohlbefinden zu sorgen.

  • als Chance für dich, zu hinterfragen, ob gesellschaftliche Konventionen für dich passen: also Hausbau, in der Heimatstadt bleiben oder ob du vielleicht eine andere Struktur brauchst

  • Als Anstupser für dich, es dir wohnlich einzurichten. Nicht nur was die Wohnung und den Ort betrifft, sondern auch die Lebensgestaltung generell.

Dazu nun ein paar Aspekte, die mir in diesem momentanen Prozess aufgefallen sind.

Wohnort


Was die Stadt betrifft, fühle ich mich meistens in ruhigeren Gegenden wohl. In einer Stadt liebe ich: einen Park/ ein Fleckchen Natur/ gerne auch Wasser, ein Café und das Sahnehäubchen ist natürlich, wenn es eine lebendige Kunstszene gibt.

Große Städte sind mit schnell zu viel „Input“ um dort zu wohnen. In Deutschland war für mich Düsseldorf perfekt. Immer wenn ich dort bin, dann geht mein Herz auf<3

Hier in Japan sieht es gerade so aus, als würden wir im ruhigen, schönen Kashiwa bleiben.

Natur

Natur in greifbarer Nähe ist einer der wichtigsten Aspekte, um mich zuhause zu fühlen. Denn ein Park, ein Fluss, ein Wald...erlauben uns mit der Natur in Kontakt zu treten. Die Natur wirkt auf mich, als wäre sie nicht an Länder gebunden und gibt mir ein geborgenes Gefühl. Sie verbindet uns alle miteinander. Naturerfahrungen, Spaziergänge und frische Luft sind Momente, die so simpel und für mich trotzdem sehr besonders sind. Das habe ich im Lockdown in Deutschland ganz intensiv so erlebt. Diese Angewohnheit, mich regelmäßig in der Natur aufzuhalten, habe ich mitgenommen.

Rituale

Ich bin ein Fan von Ritualen, um meinen Alltag zu strukturieren. Sie geben mir persönlich Stabilität und erleichtern es mir auch, achtsam zu sein.

Ich habe Rituale zu bestimmten Tageszeiten. Zum Beispiel schreibe ich jeden Morgen meine Morgenseiten (inspiriert von Julia Cameron). Nachmittags gehe ich spazieren. Und vor dem Arbeiten schreibe ich eine Liste mit den Aufgaben, die ich an dem Tag tun will.

Dann habe ich auch Rituale an bestimmten Wochentagen, zum Beispiel freitags arbeite ich immer in einem Café, dienstags lackiere ich meine Nägel und so weiter.

Außerdem habe ich auch Rituale zu bestimmten Zeiten im Jahr. Ich schreibe jedes Jahr an meinem Geburtstag einen Brief an das Leben. Vielleicht klingt das skurril, aber ich finde es schön zu sehen, wie ich mich und die Sicht auf mein Leben jedes Jahr etwas verändere oder erweitere.

Daher teile ich diese Idee auch mit dir, vielleicht möchtest du sowas Verrücktes ja auch mal probieren.

Rituale sind dienlich, um eigene Strukturen zu finden und zu wählen. Außerdem bieten sie einen Rahmen, wenn dieser nicht von außen gegeben ist, was bei mir ja der Fall ist. Das Tollste an Ritualen ist finde ich, dass man sie ganz frei selbst gestalten kann. Du kannst also ohne Stress ausprobieren, was für dich selbst am Besten funktioniert und dir gut tut.

Diversität

Was Japan betrifft, habe ich lediglich Vermutungen. Diversität, Offenheit und auch das Gegenteil wie Rassismus und Diskriminierung sind Themen, die mich brennend interessieren. Um davon zu berichten, brauche ich mehr Zeit hier in Japan.

Generell sei aber gesagt: Diversität ist ein Aspekt, der für mich außerordentlich wichtig ist. Um mich zuhause zu fühlen. Um mich eingebettet zu fühlen in eine Weltgesellschaft, die kein Einheitsauflauf ist.

Damit meine ich Menschen, Sprachen und Hautfarben. Verschiedenen Input und Menschen mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Und auch ganz banal: Varietät, was zum Beispiel Lebensmittel betrifft. Diese Aspekte weiß ich in Deutschland und auch vielen anderen Ländern sehr zu schätzen.

Materielles


Kunstmaterial. Kunstmaterial. Kunstmaterial. In rauen Mengen. Das ist glaube ich das einzige Materielle, bei dem ich mich selbst echt in Schach halten muss. Vor allem gibt es hier eine riesengroße Auswahl, es ist der helle Wahnsinn!

Lieblingsklamotten, merke ich hier, habe ich nicht. Aber das Kunstmaterial in verschiedenen Formen, das ist meine Schwachstelle. Insgeheim habe ich auch eine merkwürdige Angst davor, mich zu langweilen oder nichts mit meinen Händen tun zu können. (Jetzt ist es raus;)). Daher nehme ich auch auf kleineren Reisen, sogar für manche Busfahrten, immer etwas Gestalterisches mit. Was das Wohnen betrifft geht damit natürlich auch einher, dass ich immer auch Platz brauche um die Materialien unterzubringen und zu verarbeiten….


Bezugspersonen


In der Vergangenheit war ich viel alleine unterwegs, auch für längere Zeit. Auch in ganz neuen, anfangs fremden Kulturen. Allerdings war ich immer nur auf Zeit dort, also ca. 6, maximal 8 Monate. Diese Erfahrungen alleine zu machen, war für mich sehr wichtig. Und teilweise gibt es bestimmte Erfahrungen, die ich immer noch gerne alleine mache.

In Japan werde ich jedoch voraussichtlich etwas länger bleiben und dabei empfinde ich es als sehr wertvoll, nicht alleine hier zu sein. Sondern meine Erfahrungen zu teilen. Vor Ort mit meinem Partner. Und natürlich Online mit dir und mit Freunden und meiner Familie.

Das ist etwas, was ich erst sehr spät zu schätzen gelernt habe, aber besser spät als garnicht.

Abgesehen von Partnerschaft finde ich Freundschaft auch enorm wichtig, aber dazu werde ich separat berichten.

Fazit

Zuhause sein, dieses Thema hat unterschiedliche Dimensionen. Der Ort an sich, die Umgebung, die Menschen die uns umgeben.

Was ich entscheidend finde ist, dass wir unser zuhause in einem hohen Maße selbst gestalten können. Zum Beispiel, was diese Gewohnheiten und alltäglichen Rituale angeht. Und auch teilweise, was den Ort betrifft. (Wenn du diesen Blog liest, nehme ich an, du verfügst über diese Freiheiten).

Was mir auch aufgefallen ist, während ich schreibe, ist dass zuhause für mich viel mehr damit zu tun hat, was ich tue. Was ich jeden Tag mache. Wie und mit wem ich meine Zeit verbringe. Und viel weniger damit, was außen herum passiert. Zuhause sein ist für mich immer relativ und bisher nicht an einen permanenten Ort gebunden. Daher pflege ich auch das Weltenbummeln.

Wie ist das bei dir? Was brauchst du, um dich zuhause zu fühlen? Welche Menschen und welche Umgebung?

Es lohnt sich, jetzt mehr denn je, diese Antworten zu finden.

Alles Liebe,

Sigi

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